Stromverbrauch zurückgegangen – alles paletti?

Das Bundesamt für Energie vermeldet Erfreuliches: Im Jahr 2018 ist der Stromverbrauch in der Schweiz gegenüber 2017 um ganze 1,4% zurückgegangen. Damit nicht genug: Zum ersten Mal seit drei Jahren haben wir mehr Strom exportiert als importiert. Das sind gute Nachrichten. Also alles paletti?

 

Können wir uns jetzt beruhigt zurücklehnen? Sind die Warnungen vor der Versorgungslücke gegenstandslos geworden? Nein, wir können uns nicht zurücklehnen und es muss weiter gewarnt werden.

 

Das schöne Bild trügt nämlich. Zwar hatten wir netto übers Jahr einen Exportüberschuss, aber im Winterhalbjahr fehlten auch in diesem Jahr 5'119 Milliarden kWh. Deutschland und Frankreich konnten einspringen und das Manko abdecken. Doch in Deutschland geht dieses Jahr Kernkraftwerk Philippsburg II vom Netz. Damit werden in Deutschland 10 bis 11 Milliarden kWh fehlen. Auch bei uns fällt ein Kernkraftwerk weg: Mühleberg. Damit fallen bei uns in der Schweiz ebenfalls knapp 3 Milliarden kWh weg.

 

Das Bild trügt auch in anderer Weise: Der Rückgang des Stromverbrauchs ist nicht das Resultat von Sparanstrengungen, sondern schlicht eine Folge des warmen Wetters. Je mehr Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden, desto grösser wird der Einfluss des Wetters auf den Stromverbrauch. Wie warm ein Winter ist, misst man anhand der Heizgradtage. Während das langjährige Mittel für die Schweiz 3310 beträgt, waren es 2018 gerade noch 2891. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 10,6%.

 

Trotz des Klimawandels sollten wir uns nicht darauf verlassen, dass es in Zukunft nur noch milde Winter gibt.

 

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