Speicherseen: Wie steht es um die Kapazität?

Wegen der vielen grossen Stauseen wird die Schweiz auch als Batterie Europas bezeichnet. Wie realistisch ist diese Einschätzung? Wie gross ist die Speicherkapazität dieser «Batterie» und wie wird sie genutzt? Wir schauen genauer hin. Und rechnen nach.

 

Gemäss der Schweizerischen Elektrizitätsstatistik 2017 des Bundesamts für Energie (BFE) können alle unsere Speicherseen 8,835 Milliarden kWh speichern. Sie sind zu Beginn des Winters in der Regel zu etwa 85% gefüllt. 2017 waren es 87,3% oder 7,716 Milliarden kWh. Diese Energiemenge versorgt die Schweiz mit dem im Winter besonders dringend benötigten Strom. Sie ergänzt die Produktion aus den Kernkraftwerken und die im Winter spärliche Produktion der Flusskraftwerke. Ausserdem spielt sie eine wichtige Rolle als Regelenergie. Von den Flusskraftwerken kommt soviel Strom, wie die Wassermenge hergibt. Kernkraftwerke arbeiten am effizientesten unter Volllast. Nur die Speicherkraftwerke können die Produktion der Nachfrage anpassen.

 

Am Ende des Winters sind die Speicherseen weitgehend geleert. Ende April 2017 enthielten sie gerade noch 0,948 Milliarden kWh. Das sind 10,7% der Kapazität. Viel weniger geht gar nicht, weil die letzten Wassermengen zunehmend verschlammt sind.

 

Es ist klar: Die Stauseen sind die Batterie der Schweiz, nicht Europas. Wir brauchen 90% der verfügbaren Speicherkapazität für unsere eigene Stromproduktion. Aber selbst das ist für unseren Verbrauch zu wenig. Wir haben im Jahr 2017 volle 9,754 Milliarden kWh mehr importiert als exportiert, also mehr als den ganzen Speicherinhalt aller Stauseen!

 

Doch jetzt kommen weitere Ansprüche: Die Stauseen sollenzusätzlich auch noch den im Sommer überflüssigen Solarstrom für den Winter speichern. Das sind ganz vorsichtig geschätzt mindestens 3 Milliarden kWh. Es können aber auch mehr sein. Wo soll dieser Strom hin? Die Stauseen sind im Herbst grossmehrheitlich voll. Es gibt keinen Platz mehr.

 

Aber es kommt noch besser! Im Frühjahr 2018 wurde es versorgungstechnisch knapp. Die Stauseen hatten im kalten Januar besonders viel leisten müssen und so stiegen die Importe in den Monaten März und April bedrohlich an. Nicht auszudenken, wenn die Importe ausgeblieben wären.

 

Um solche Situationen künftig zu verhindern, kamen die Schweizer Energiepolitiker auf eine besonders geniale Idee: Wir schaffen eine «Strategische Reserve»! Was heisst das? Das heisst nichts anderes, als dass den Betreibern der Kraftwerke befohlen wird, während des Winters ein paar Milliarden kWh zurückzubehalten, d.h. den Strom nicht zu produzieren.

 

Unsere «Batterie» in den Alpen mit einer Ladekapazität von 8,835 Milliarden kWh soll gleich dreifach genutzt werden: Einmal als Speicher für den Stromverbrauch im Winter, dann soll sie 3 bis 5 Milliarden kWh Solarstrom speichern und schliesslich soll sie eine Strategische Reserve von mehreren Milliarden kWh bilden, wenn die Schweiz in einen Versorgungsengpass läuft.

 

Eine Rechnung die eindeutig nicht aufgeht. Weder für die Schweiz noch für Europa.

 

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